Sonntag, 29. Mai 2011

Lüge ist nichts, Wahrheit ist alles!

Unsere Erste Verlautbarung vom Mai , damals noch unter leicht anderen Namen.

Lüge ist nichts, Wahrheit ist alles!

Eine Erklärung von LAF/Juso, Bunte Liste und RCDS vom 18.05.2011

Wir alle sind mit Vorurteilen über die providentiellen Funktionen des Staats gefüttert worden. Unsere ganze Erziehung, vom Unterricht in den römischen Traditionen bis zum Byzantinischen Codex, den man unter der Bezeichnung Römisches Recht studiert, und zu den diversen, an Universitäten gelehrten Wissenschaften, gewöhnt uns, an Regierung und Tugenden des Vorsehungs-Staats zu glauben. Diesen Aberglauben am Leben zu erhalten, hat man vollständige philosophische Systeme ersonnen und gelehrt. Rechtstheorien sind ebenfalls zu diesem Zweck entwickelt worden. Die ganze Politik beruht auf diesem Prinzip, und jeder Politiker, gleich welcher Couleur, wird dem Volk stets einreden: ‚Gebt meiner Partei die Macht. Wir können und wollen Euch von dem bedrückenden Elend befreien.‘“ (Pëtr Kropotkin)

LAF/Juso (Libertär-Anarchistische Föderale/Jovial-unabhängige Semidemokratisch- obligatorische Sozialisten), Bunte Liste (Bollwerk unabhängig-neutraler Teleologieerzwinger - Liste integraler Scheinteleologieerzwinger) und RCDS (Revolutionäre Chaotisch-Dadaistische Sozialisten) treten bei der diesjährigen Wahl zum Studentischen Konvent der Universität Regensburg am 21. Juni an. Es sind sehr unterschiedliche Listen, haben aber dennoch eins gemeinsam. Sie haben unterschiedliche Namen und Programme, aber dennoch nur ein Ziel. Sie bestehen aus verschiedenen Personen, verfolgen dennoch einen Gedanken.
Was uns eint, ist Einsicht und Ablehnung. Wir sehen, dass das Gewusel in Hochschulgremien, im Konvent, im SprecherInnenrat, im Senat absolut nichts bringt. Wir sehen, dass diese Gremien die Studierenden entmündigen und entrechten, entwürdigen und verarschen. Wir sehen, dass es keinen Sinn hat, gewählt zu werden und so zu tun als könne man Hochschulpolitik gestalten, als könne man die Interessen der Studierenden vertreten, als könne man bestimmen, als könne man in den Gremienstrukturen Studienbedingungen verbessern. Das alles ist ein große Lüge. Eine bisher funktionierende Lüge. Jedes Jahr auf´s Neue reproduziert. Jedes Jahr Wahlkampf, Plakate, Wahlen, Programme, Versprechen, Vorsätze - und jedes Jahr als Folge dessen Unfähigkeit, Machtlosigkeit, Scheitern, Resignation. Und nächstes Jahr? Das gleiche Spiel. Auf´s Neue. Jedes Jahr. Immer wieder.
Es eint uns die Ablehnung eines Systems, das demokratische Mitbestimmung bekämpft, das demokratische Rechte verleugnet und hintergeht. Wir lehnen es ab Jahr für Jahr das Spiel mitzuspielen. Wir lehnen das Spiel ab. Uns eint die Einsicht, dass diese Verarschung und Selbstverleugnung der StudierendenvertreterInnen aufhören muss. Sie sollen nicht mehr verarscht werden und sie sollen sich nicht verarschen lassen. Diesem System der Verarschung gilt unser Kampf! Uns eint diese Ablehnung, uns eint dieser Kampf!

Wir treten zur Wahl an, weil diese Wahl eine Farce ist. Weil sie die Ausgeburt tiefster Verachtung
studentischer Mitbestimmung ist. Weil sie Demokratie verhöhnt. Was nützt ein entrechtetes Studierendenparlament? Was nützt ein nutzloser Konvent? Nichts – überhaupt nichts. Wir haben nichts als Verachtung übrig für diese Wahl, für diesen Konvent, für dieses System.

Wir treten an, weil wir diese Wahl demaskieren wollen. Wir machen sie zur Farce, weil sie eine ist. Die StudierendenvertreterInnen sind der Kaiser aus Andersens Märchen. Die Hochschulleitung und die Landesregierung die Betrüger. Uns kommt die Rolle des Kindes zu, welches nichts tut, als die Wahrheit zu sagen. Solange sich Studierende in Scheingremien Posten und Ämter zuschachern, solange sie ihre Energie in die Aufrechterhaltung der Illusion von Macht und Bedeutung stecken, solange wird es nie eine Vertretung studentischer Interessen geben. Die jetzige Studierendenvertretung ist eine Lüge, die wir zerstören wollen. Das Spiel ist aus.
"Liebe Studenten, ihr seid Kunden. Haltet die Fresse. Seid still und geht spielen. Spielt Hochschulwahlen, damit wir wahrlich Erwachsenen unsere Ruhe haben“, könnte der Rektor sagen. Doch er sagt es nicht. Denn er hat ein Interesse am Status quo. Wir nicht. Wir wollen die Illusion von Demokratie zerstören. Wir wollen Demokratie.
Jenes Dutzend von Leuten, das die Hochschulpolitik zu steuern glaubt, das Mehrheiten organisiert und Vereinsposten und studentische Ämter verteilt, wird sich freuen, dass auch dieses Jahr wieder das Schauspiel Hochschulwahlen stattfindet. Sie mögen in diesem Augenblick ein triumphierendes Machtgefühl empfinden, aber sie sollen sich nicht täuschen: der Schein hat auf die Dauer keine Chance.

Wir treten zur Wahl an, weil wir es können, nicht weil wir es wollen. Wir nennen uns wie wir uns nennen, nicht weil wir es wollen, sondern, weil wir es können. Wir sind LAF/Juso, Bunte Liste und RCDS.

Lüge ist nichts, Wahrheit ist alles! Auf in den Hochschulwahlkampf!

Kommentare:

  1. "Jedes Jahr Wahlkampf, Plakate, Wahlen, Programme, Versprechen, Vorsätze - und jedes Jahr als Folge dessen Unfähigkeit, Machtlosigkeit, Scheitern, Resignation." - Find ich super, dass ihr euer Scheitern einseht. Traurig nur, dass ihr deshalb so frustriert seid und das unbedingt verallgemeinern müsst.
    Weiterhin viel Spaß in eurer Selbsthilfegruppe :)

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  2. Lieber Raimund Lehle,

    als Studentischer Sprecher, 2. Vorsitzender des Vereins Campus Regensburg e.V., Kassier der Vereins UR-students e.V., zweimaliger Listenkandidat der LAF/Juso-Hochschulgruppe und ehemals Teilnehmer an Sitzungen aller möglichen Hochschulgruppen, der ebenso an der mehrstündigen Verwaltungsbesetzung mitgewirkt hat, hast Du natürlich unseren größten Respekt.
    Auch Neid auf diese hochschulpolitischen Erfolge können wir nicht leugnen. Du hast erreicht, was wir niemals erreichen werden, das frustriert natürlich. Nicht jede/R kann so engagiert, nächtelang studentische Interessen vertreten, wie Du.
    Neiderfüllt, frustriert und völlig machtlos, huldigen wir Dir, unserem Gegenteil, der personifizierten „Fremdhilfegruppe“.

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